Unsere Gründungsgeschichte

Albert Grundler, Gründungsmitglied und ältestes Ehrenmitglied der Musik-kameradschaft, erzählt am 06. Juni 2001 in einem Gespräch mit Bernhard Frindt von den Anfängen des „Musizierens in Langenrain“.

Die Musikkameradschaft Langenrain-Freundental ist entstanden aus dem damaligen Turnverein. Dieser wurde 1924 gegründet und war damals erster und einziger Treffpunkt für junge Menschen. „Herausragendes Ereignis“ war die Teilnahme beim Landesturnfest in Konstanz. Erster Turnwart war Alexander Baumgärtner, Albert Grundler war letzter Turnwart des Vereins.

Die Idee, in Langenrain eine Musikkapelle zu gründen, hatten Albert Grundler und Alfons Klaiber. Man musizierte damals mit Trommel und Piccolo, aber auch mit Streichmusik hat man sich „versucht“.

Die eigentliche Gründung der Musikkameradschaft erfolgte dann 1935. Albert Grundler (damals 25-jährig) und Alfons Klaiber begannen zuerst mit „Notenstudium“ bei Lehrer Bühler, nach und nach kamen weitere Interessierte hinzu. So bildete sich die „erste Besetzung“ aus nachfolgenden Mitgliedern:

Bild aus der Gründungszeit

Bild aus der Gründungszeit

  • Albert Grundler, Tenorhorn
  • Alfons Klaiber, Trompete
  • Heinrich Fechtig, Bass
  • Gottfried Ellensohn, Trompete
  • Fritz (Friedrich) Becht, Trompete
  • Hans Erlacher, Klarinette
  • Eugen Litz, 1. Bass
  • Josef Ruland, Trommel

Lehrer Bühler übernahm gleichzeitig die Funktion des Dirigenten. Bezahlt wurde seine Tätigkeit mit Naturalien (z.B. mit Schinken vom Hof Kargegg). Bühler selbst spielte anfangs noch Bass, allerdings wegen „fehlendem Gebiss“ ohne Erfolg. Darüber hinaus trank er „fürchtig gern“ ein Schnäpsle.

Das Geld für die Anschaffung von Instrumenten erhielt man über Bürgermeister Bächle von der Gemeindeverwaltung. Die Instrumente selbst wurden gebraucht bei den Musikvereinen Dingelsdorf und Liggeringen gekauft.

Schon bald begann man auch mit einer „Fasnetmusik“ und spielte gemeinsam mit der „Turnermusik“ im Gasthaus Traube zum Tanz.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges musste das Musizieren wegen Kriegsteilnahme aufgegeben werden (Albert Grundler selbst wurde am 22. August 1939 eingezogen).

Nach Kriegsende begann Alfons Klaiber gemeinsam mit Sepp (Josef) Flechler wieder zu musizieren. Als Albert Grundler am 20. November 1947 aus der Gefangenschaft zurückkehrte, wurde er von den Beiden beim Haus „Keller“ mit dem Musikstück „Wenn ich den Wanderer frage“ musikalisch begrüßt.

So begann man nach dem Krieg wieder „offiziell“ zu musizieren. Die „zweite Besetzung“ setzte sich aus folgenden Musikkameraden zusammen:

  • Albert Grundler
  • Alfons Klaiber
  • Fritz (Friedrich) Becht
  • Sepp (Josef) Flechler
  • Alfred Flechler
  • Willi Bottlang

Kurz danach wurden weitere Jungmusiker aufgenommen. Zur Geselligkeit ging man nach der Probe in die Traube (der Traubenwirt blieb regelmäßig wach, wenn Musikprobe war) oder ins Rössle. Im April 1948 feierte man im „Traubensaal“ die Hochzeit von Alfons Klaiber. Dies war auch gleichzeitig die erste Veranstaltung in der in Langenrain wieder aufgebauten ehemaligen Turnhalle aus Freudental. Die erste „Uniform“ bestand aus einer dunkelblauen Kappe. Die zweite Uniform war grau und wurde auf der Insel Reichenau gefertigt. Zur Beerdigung von Lehrer Bühler spielten Albert Grundler, Alfons Klaiber, Fritz Becht und ein weiter Musiker in grauer Uniform auf dem Friedhof in Überlingen. Alfons Klaiber sprach dabei am Grab die ehrenden Worte für den verstorbenen Musikkameraden.

Der weitere Weg unserer Musikkameradschaft

Nach Bühler’s Tod übernahm Fritz Becht ab ca. 1953 das Amt des Dirigenten bei der Musikkameradschaft. Aufgrund beruflicher Veränderungen (Aufgabe der eigenen Landwirtschaft, Wechsel ins Angestelltenverhältnis bei Telefunken in Konstanz) und den damit verbundenen Bedingungen (Schichtarbeit) wurde er später von Walter Litz unterstützt, der in der Folgezeit schwerpunktmäßig die „Probenarbeit“ ausübte. Zu dieser Zeit wurde die Musikkameradschaft praktisch von zwei Dirigenten geleitet.

Nachdem seit Bühler’s Tod lediglich vereinzelt neue Musiker zur Musikkameradschaft kamen, wurde 1969 mit der Ausbildung weiterer, 14 junger Musiker begonnen. Die Ausbildung erfolgte damals in „Eigenregie“ unter der Verantwortung von Werner Schrodi.

In der Folgezeit begann sich die Musikkameradschaft, beeinflusst durch das „Wirken“ der jungen Musiker, langsam zu verändern. Zur „Pflege der Kameradschaft“, die nach jeder Musikprobe weiterhin intensiv „geübt“ wurde, und der „Brauchtumspflege“ (Fasnacht und öffentliche Auftritte), kamen neue Aktivitäten hinzu. So entstand u.a. in dieser Zeit das zur Tradition gewordene Gartenfest, welches erstmals 1971 unter „einfachsten Bedingungen“ veranstaltet wurde. 1974 wurde darüber hinaus die für die damalige Zeit ungewöhnlich anmutende „rote Uniform“ angeschafft.

Der „Generationenwechsel“ vollzog sich dann endgültig, als Walter Schrodi 1976 zum neuen Dirigenten gewählt wurde, nicht zuletzt auch deshalb, weil viele „ältere Musiker“ den Zeitpunkt nutzten, um ihr Wirken in der Musikkameradschaft zu beenden. Vor allem war es aber Schrodis Fähigkeit, die jugen Musiker für das gemeinsame Musizieren und die Kameradschaft zu begeistern.

Walter Schrodi prägte als Dirigent die Musikkameradschaft.
Musikalisch verstand er es, die traditionelle Blasmusik mit der „Modernen“ zu verbinden (später auch durch die Verbindung von Musik und Gesang) und begeisterte so unterschiedliche Generationen von Musikern und Zuhörern.

Gleichzeitig verfolgte er eine intensive Nachwuchsförderung und bildete selbst viele junge Musiker aus. Unter seinem Dirigat wurden auch sämtliche „Register“ mit neuen, hochwertigen Instrumenten ausgestattet.

Daneben hatten Kameradschaft und Brauchtumspflege für Schrodi wesentliche Bedeutung für die Zukunft der Musikkameradschaft. Die „Musikausflüge“, die alle zwei Jahre durchgeführt wurden, führten oft über die „heimischen Grenzen“ hinaus und bekamen „Eventcharakter“, über die intern immer wieder gerne erzählt wird. Aber auch viele Termine und Veranstaltungen, die heute (2014) noch zum „Standardprogramm“ der Musikkameradschaft gehören, stammen aus dieser Zeit.

1990 wurde unter Walter Schrodi einmal mehr eine neue (gelbe) Uniform angeschafft, die das „Erscheinungsbild“ der Musikkameradschaft über viele Jahre hinweg ebenso prägen sollte, wie der Dirigent selbst. Nach 20 Jahren übergab Walter Schrodi 1996 das Dirigat der Musikkameradschaft an Lothar Bottlang und wirkte weiterhin als Musiker (Tenorhorn/Bariton) und Sänger (Solist und im Duett mit Lothar Bottlang) aktiv mit.

Somit konnte einmal mehr der Dirigent aus den eigenen Reihen besetzt werden. Noch während Schrodi‘s „Amtszeit“ übernahm Lothar Bottlang die musikalische Leitung der „Fasnetmusik“, die vor allem den traditionellen Maskenball gestaltete. Zur gleichen Zeit begann man auch damit, am Rosenmontag mit der Fasnetmusik in den „Konstanzer Gassen und Lokalen“ zu musizieren.

Lothar Bottlang führte fort, was Walter Schrodi aufgebaut hatte. Auch er legte größten Wert auf eine nachhaltige Nachwuchsförderung, so dass im Laufe der Jahre die bis dahin höchste Anzahl aktiver Musiker erreicht werden konnte.

Auch er prägte die Musikkameradschaft in besonderer Weise, denn er erweiterte den Musikstil der Musikkameradschaft sowohl im Bereich der Stimmung- und Unterhaltungsmusik als auch die konzertante Musik mit einem zeitgemäßen „Showcharakter“. Dabei brachte er nicht nur sein eigenes Talent zum Ausdruck, sondern weckte auch bis dahin „verborgene Talente“ unter den aktiven Musikerinnen und Musikern.

Mit dem Tod von Andreas Schneiderbub übernahm Lothar Bottlang auch die Leitung der Theatergruppe und etablierte das „Theater in Langenrain“ zu einem kulturellen Bestandteil der Musikkameradschaft. So prägt Lothar Bottlang heute (2014) die Musikkameradschaft nicht nur durch sein musikalisches Wirken, sondern ist durch seine persönliche Art als „Entertainer“ gleichzeitig Repräsentant unserer Musikkameradschaft.

Weitere Meilensteine unserer Musikkameradschaft

Einweihung am 03. Mai 2009

Einweihung am 03. Mai 2009

In den Jahren 2002 bis 2003 entstand in der Musikkameradschaft die Idee, das vom Verfall bedrohte „Rebhäusle“ zu retten. Die Gespräche mit dem Besitzer, Graf Wilderich von und zu Bodman, führten dann 2006 zu einer vertraglichen Regelung, mit der das Rebhäusle der Musikkameradschaft zur unentgeltlichen Nutzung überlassen wurde. Nach einer aufwändigen und zeitintensiven Renovierung in Eigenleistung wurde das Rebhäusle am 03. Mai 2009 im Rahmen eines öffentlichen Festaktes eingeweiht.

Das Jahr 2010 stand ganz im Zeichen des 75-jährigen Bestehens unserer Musikkameradschaft, welches über das ganze Jahr hinweg gefeiert wurde. Emotionale Höhepunkte waren dabei das Jubiläumskonzert, welches erstmals im Schlosspark unter freiem Himmel durchgeführt wurde sowie das vorweihnachtliche Kirchenkonzert in unserer Pfarrkirche.

Die Musikkameradschaft im Jubiläumsjahr 2010

Die Musikkameradschaft im Jubiläumsjahr 2010


L. Bottlang, W. Bottlang, H. Schädler

L. Bottlang, W. Bottlang, H. Schädler

Im Jahr 2011 entschloss man sich, die Musikkameradschaft, vor allem vor dem Hintergrund der bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen, in einen eingetragenen Verein (e.V.) umzuwandeln. Die Vereinsgründung erfolgte im Rahmen der Gründungsversammlung am 17. Januar 2012. Als erste Vorstände des neuen Vereins wurden Walter Bottlang sowie Heiko Schädler gewählt. Die musikalische Leitung wurde weiterhin an Lothar Bottlang übertragen.